SEO & GEO Glossar · 21. Juli 2026
Mehrsprachige Website: Die Entscheidungen vor der ersten Übersetzung
Eine zweite Sprachfassung ist keine Erweiterung, sondern eine Verdopplung – der Produktion, der Pflege und der Fehlerquellen. Die wichtigsten Entscheidungen fallen deshalb vor der ersten übersetzten Zeile.
Erste Frage: Rechnet es sich?
Eine Sprachfassung lohnt sich, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Es gibt messbare Nachfrage im Zielsprachraum, Sie können dort liefern, und Ihr Vertrieb kann die Sprache bedienen. Fehlt die dritte Bedingung, erzeugt die Fassung Anfragen, die Sie ablehnen müssen – das schadet mehr, als die Sichtbarkeit nützt.
Als Datengrundlage dienen die Herkunft und Sprache Ihrer bisherigen Anfragen, die Suchvolumina im Zielsprachraum mit Schweizer Länderbezug und die Wettbewerbslage dort. Erst wenn diese drei Zahlen vorliegen, ist die Entscheidung mehr als ein Bauchgefühl.
Zweite Frage: Welche Struktur?
| Variante | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Unterverzeichnis (/fr/) | Einfach, gemeinsame Domainstärke | Keine eigene Länderzuordnung möglich |
| Subdomain (fr.example.ch) | Getrennte Verwaltung | Domainstärke wird teilweise getrennt bewertet |
| Eigene Domain (example.fr) | Klare Länderzuordnung | Jede Domain muss eigenständig aufgebaut werden |
Für Schweizer Unternehmen mit mehreren Landessprachen ist das Unterverzeichnis in fast allen Fällen die richtige Wahl: Alle Fassungen zielen auf denselben Länderindex, und die Domainstärke bleibt gebündelt.
Dritte Frage: Vollständig oder teilweise?
Eine Teilübersetzung ist die schlechteste aller Varianten. Nutzer, die aus einer übersetzten Seite in einen nicht übersetzten Bereich wechseln, landen in einer fremdsprachigen Sackgasse – die Abbruchrate steigt, und beide Fassungen verlieren an Bewertung.
Besser ist ein bewusst kleinerer, aber vollständiger Sprachbereich: fünf bis zehn tragende Seiten, vollständig übersetzt, untereinander verlinkt und mit hreflang nur für diesen Teil ausgezeichnet. Was nicht übersetzt ist, wird auch nicht ausgezeichnet und nicht verlinkt.
Vierte Frage: Wer pflegt?
Das am häufigsten unterschätzte Problem ist nicht die Erstellung, sondern die Pflege. Eine Aktualisierung erfolgt in der Hauptsprache, die zweite Fassung folgt Wochen später oder gar nicht. Nach zwei Jahren unterscheiden sich Preise, Leistungen und Rechtstexte.
Das ist nicht nur ein SEO-Problem, sondern ein Haftungsrisiko, wenn Rechtstexte auseinanderlaufen. Legen Sie deshalb vor dem Start fest, wer welche Fassung aktualisiert, in welcher Reihenfolge und mit welcher Frist.
Was danach kommt
- Suchnachfrage im Zielsprachraum separat erheben, nicht übersetzen
- Terminologie muttersprachlich prüfen – Fachbegriffe unterscheiden sich zwischen Ländern derselben Sprache
- hreflang vollständig und wechselseitig setzen
- Keine automatische Weiterleitung nach Herkunftsland
- Preise, Steuerangaben und Rechtstexte je Fassung korrekt hinterlegen
- Messung nach Sprachfassung getrennt einrichten
Häufige Fragen
- Reicht eine maschinelle Übersetzung?
- Als Grundlage ja, ungeprüft nein. Fachbegriffe und Ortsangaben brauchen muttersprachliche Kontrolle, sonst entstehen Formulierungen, nach denen niemand sucht.
- Sollen wir mit der Startseite beginnen?
- Nein. Beginnen Sie mit den Seiten, die kaufbereite Anfragen bedienen. Eine übersetzte Startseite ohne übersetzte Leistungsseiten bringt nichts.
- Wie viel teurer wird die Pflege?
- Erfahrungsgemäss vierzig bis siebzig Prozent je zusätzlicher Fassung – Analyse fällt einmal an, Produktion und Pflege je Sprache.
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