SEO & GEO Glossar · 16. Mai 2026
Sichtbarkeitsindex: Was der Wert misst und was nicht
Der Sichtbarkeitsindex ist die am häufigsten berichtete und am seltensten verstandene SEO-Kennzahl. Er stammt von Drittanbietern, nicht von Google, und misst etwas anderes, als die meisten annehmen.
Wie er entsteht
Ein Anbieter pflegt ein festes Set an Suchanfragen und prüft regelmässig, auf welcher Position eine Domain dafür erscheint. Aus Position und geschätztem Suchvolumen wird ein gewichteter Wert berechnet.
Zwei Konsequenzen ergeben sich daraus. Erstens: Der Wert hängt vollständig davon ab, welche Anfragen im Set enthalten sind. Zweitens: Er beruht auf geschätzten Volumina, die im Schweizer Markt besonders unzuverlässig sind.
Warum er steigen kann, während Anfragen sinken
- Das Keyword-Set enthält Begriffe ohne Kaufabsicht
- Positionen verbessern sich bei Anfragen, die von einer generierten Antwort abgefangen werden
- Der Anbieter hat sein Set oder seine Berechnung angepasst
- Verbesserungen entstehen bei Begriffen, die nicht zum Angebot passen
Der Umkehrfall existiert ebenso: sinkender Index bei steigenden Anfragen, weil die Arbeit auf spezifische Begriffe mit kleinem geschätztem Volumen zielte.
Wofür er taugt
Als Verlaufsbeobachtung innerhalb eines Werkzeugs und über längere Zeiträume ist er nützlich. Ein deutlicher Einbruch ist ein zuverlässiges Warnsignal – er zeigt, dass etwas passiert ist, auch wenn er nicht sagt, was.
Ebenso brauchbar ist der relative Vergleich mit Wettbewerbern im selben Werkzeug: Wer bewegt sich, wer stagniert. Absolute Werte zwischen verschiedenen Anbietern zu vergleichen ist dagegen sinnlos.
Wofür er nicht taugt
Als Erfolgsmassstab gegenüber einer Geschäftsleitung. Er beantwortet nicht die Frage, ob mehr Anfragen entstanden sind – und genau das ist die Frage, die gestellt wird.
Ebenfalls untauglich ist er als Zielvorgabe in einem Mandat. Wer auf einen Indexwert optimiert, optimiert auf das Keyword-Set des Anbieters, nicht auf das Geschäft.
Die bessere Alternative
Ein eigenes, kuratiertes Set aus den Begriffen, die für Ihr Geschäft tatsächlich zählen – überwacht mit Positionen und, wichtiger, mit den daraus entstehenden Anfragen. Das ist aufwendiger und beantwortet die richtige Frage.
Häufige Fragen
- Sollte man den Index gar nicht berichten?
- Als Nebeninformation ja, als Erfolgskennzahl nein. Die Hauptzahlen sollten Anfragen und Positionen für kaufbereite Begriffe sein.
- Warum unterscheiden sich die Werte zwischen Werkzeugen?
- Unterschiedliche Keyword-Sets, unterschiedliche Volumenschätzungen, unterschiedliche Formeln. Vergleiche sind nur innerhalb eines Werkzeugs sinnvoll.
- Was tun bei plötzlichem Einbruch?
- Ernst nehmen und die Ursache suchen – Indexierung, technische Änderungen, Google-Update. Der Wert selbst sagt nicht, woran es liegt.
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